Es war ein sonniger, sehr ruhiger Tag. Sina beschritt gemütlich den
alten Waldweg, der sich fast wie eine Schlange durch den Wald zog. Sie
dachte darüber nach, wieso sie diese Reise angetreten ist. Es ist nun
zwei ganze Monate her, als ihre Eltern an ihrer geheimnisvollen
Krankheit starben. Ebenso der Großteil ihres gesamten Dorfes. Einzig
Sina blieb folgedessen bei bester Gesundheit.
Sinas Gemüt
verdüsterte sich zunehmend und ihre kindlichen Augen füllten sich mit
Tränen in Erinnerung an ihre Eltern, an ihre Freunde. Sie alle starben
einfach weg. "Wieso nur?" flüsterte sie leise. Sie versuchte auf eine
Antwort zu warten beim gehen. Ein Windstoß, ein Tier oder irgendetwas,
aber nichts. Sina erhielt keine Antwort und so beschritt sie weiter den
leicht holprigen Waldweg.
Nach einer gefühlten Ewigkeit machte sie
an einem alten Baumstumpf halt um zu rasten. Sie war weder erschöpft,
noch taten ihr die Füße weh. Sie machte Pause, weil ihre Großmutter
immer sagte, dass sie dennoch hin und wieder eine kleine Pause einlegen
solle, damit sie die Natur genießen könne. Sina setzte sich sanft auf
den mit moos bewachsenen Baumstumpf, hielt innerlich inne und schaute
sich friedvoll um.
Es war ein bezaubernder Ort. Alles war so
friedlich und mit üppiger Vegetation bewachsen. In der Nähe des Weges
sah sie eine große Reihe mit Brennesseln.
"Schau mal Großmutter, da
sind Brennesseln!" sagte sie aufgeregt und mit einem liebevollen sanften
lächeln im Gesicht. Manchmal tat sie das so. Mit ihrer verstorbenen
Großmutter sprechen, als wäre diese gegenwärtig nahe.
Sina stand auf, legte ihre Tasche auf den Baumstumof und ging gemütlich zu den Brennesseln.
Sie blieb kurz stehen und hockte sich dann vor den Pflanzen und mit
einem überaus glücklichen Gesichtsausdruck beobachtete sie die einzelnen
Pflanzen.
"Brennessel wirkt sehr gut bei Blasenentzündungen" sagte
sie leicht oberschlau daher und erinnerte sich daran, wie ihre
Großmutter oft einen Brennesseltee zubereitete für ihren Großvater, der
nur allzuoft unter Problemen der Blase litt. "Jaja. Und Haare sollen
damit auch wachsen, aber Großvater hat ja bewiesen, dass dies nicht bei
jedem klappt" kicherte sie kindlich.
Sina stand wieder auf und ging zurück zu dem Baumstumpf und legte sich wieder ihre Tache um.
Geschwind ging sie zurück auf den Waldweg und ging ihn weiter. Ihre
Gedanken kreisten magische Bahnen und es ging ihr sehr gut. Sie liebte
es sehr in der Natur zu sein. Während des gehens griff sie an den
Anhänger um ihren Hals.
Es war ein uralter Schörl. Ein mit Rissen
und leichten Kerpen versehender Nachtschwarzer Halbedelstein, den sie
vor Jahren von ihrem Vater bekam.
Ihr Vater sagte ihr immer, dass
dieser Stein gegen böse Kräfte wirke und Schutz über sie bringe. Sie
schaute sich den Stein wieder einmal genauer an.
Wirklich ansehlich
war er nicht. Nicht so makelos und schön geschliffen, wie sie diese
reichen Adligen in den großen Städten haben in den vielen mystischen
Farben, aber im Grunde war auch das ihr egal.
Es war ein Geschenk
und Andenken an ihren Vater und tatsächlich beschützte sie der Stein.
Ein seltsames Geräusch riss sie aus ihren Gedanken.
Sina blieb
erschrocken stehen und blickte fragend in alle Richtungen, aber keiner
ihrer Blicke traf auf etwas, was erklären könnte, was dieses seltsame
Geräusch war.
Dann jedoch bemerkte sie den Grund für das Geräusch.
Völlig Gedanken versunken war sie auf einen Erdbuddelkobold getreten,
der aus der Erde rausschaute und unfreiwillig mitten auf dem Waldweg vom
Erdreich hochbeschritt. Sina hielt sich unverzüglich die Hand vor die
Brust, Ihr Herz klopfte und Tränen gewannen in ihren Augen die Oberhand.
Sie war doch tatsächlich auf dieses arme kleine Geschöpf getreten, was
nun bewusstlos in dem kleinen Loch lag. Sina schämte sich gewaltig. Sie
konnte ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Das wollte sie wirklich
nicht. "Es tut mir so Leid, kleiner Freund" wimmerte sie dramatisch und
fiel bedrückt und verletzt auf die Knie. Ihre zarten Finger begannen zu
zittern und ihre Sicht verschwamm vollends durch die Tränen.
"Das wollte ich wirklich nicht. Was soll ich denn nur jetzt machen?" jammerte sie weinend vor dem kleinen Kobold kniehend.
"Es lebt noch mein Schatz, alles Gut!" sagte eine Stimme. Sina
erschrack sofort und schaute sich wild um. Wieder einmal entdeckte sie
nichts. Auch am Boden und in den Bäumen war dieses mal nichts zu sehen.
Sina legte ihre Aufmerksamkeit wieder zurück auf den ohnmächtigen
Kobold. Sie legte ihren Kof sanft auf den kleinen Koboldkörper um mit
ihrem Ohr Lebenszeichen zu hören. Ein Herzschlag! Sina zuckte schnell
hoch. "Ja er lebt noch" sagte sie beruhigt und nahm den kleinen
Koboldkörper mit ihren beiden Händen auf.
Nicht unweit machte sie
halt an einer großen Eiche. Sie setzte sich im Schneidersitz beim Baum
hin, legte ihre Tasche neben sich und hielt den Kobold in beiden Händen.
Sie erinnerte sich daran, was ihre Mutter immer über die visuelle
Heilmagie sagte. Sina schloss die Augen und stellte sich vor, wie ihre
goldene Energie in magischen kleinen Glitzersternen von ihrem Körper zu
dem Kobold ging und diesen leuchtend umhüllte.
Stunden vergingen
und wie durch ein Wunder wachte der Kobold in ihren Händen auf und hat
nicht mal mehr eine einzige Schramme. Der Kobold stand auf und blockte
Sina bewundernswert an. Sina erwiderte den Block mit freudvollen Tränen
die ihre Wangen runterliefen, wie heilende Wasserfälle in den mystischen
Gebirgen.
Dem kleinen Wesen ging es gut. Besser noch. Sina heilte ihn mit ihrer eigenen Kraft.
Der kleine Kobold lächelte sie an. Sie wusste sofort, dass er ihr nicht
Böse war. Im Gegenteil. Sein Gesicht erstrahlte vor Glück sie zu sehen.
Sina hatte wahrlich auf eine sehr eigensinnige Art einen neuen Freund
gefunden......

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