Mittwoch, 20. April 2016

Teil 1 - Die Reise beginnt!

Es war ein sonniger, sehr ruhiger Tag. Sina beschritt gemütlich den alten Waldweg, der sich fast wie eine Schlange durch den Wald zog. Sie dachte darüber nach, wieso sie diese Reise angetreten ist. Es ist nun zwei ganze Monate her, als ihre Eltern an ihrer geheimnisvollen Krankheit starben. Ebenso der Großteil ihres gesamten Dorfes. Einzig Sina blieb folgedessen bei bester Gesundheit.
Sinas Gemüt verdüsterte sich zunehmend und ihre kindlichen Augen füllten sich mit Tränen in Erinnerung an ihre Eltern, an ihre Freunde. Sie alle starben einfach weg. "Wieso nur?" flüsterte sie leise. Sie versuchte auf eine Antwort zu warten beim gehen. Ein Windstoß, ein Tier oder irgendetwas, aber nichts. Sina erhielt keine Antwort und so beschritt sie weiter den leicht holprigen Waldweg.
Nach einer gefühlten Ewigkeit machte sie an einem alten Baumstumpf halt um zu rasten. Sie war weder erschöpft, noch taten ihr die Füße weh. Sie machte Pause, weil ihre Großmutter immer sagte, dass sie dennoch hin und wieder eine kleine Pause einlegen solle, damit sie die Natur genießen könne. Sina setzte sich sanft auf den mit moos bewachsenen Baumstumpf, hielt innerlich inne und schaute sich friedvoll um.
Es war ein bezaubernder Ort. Alles war so friedlich und mit üppiger Vegetation bewachsen. In der Nähe des Weges sah sie eine große Reihe mit Brennesseln.
"Schau mal Großmutter, da sind Brennesseln!" sagte sie aufgeregt und mit einem liebevollen sanften lächeln im Gesicht. Manchmal tat sie das so. Mit ihrer verstorbenen Großmutter sprechen, als wäre diese gegenwärtig nahe.
Sina stand auf, legte ihre Tasche auf den Baumstumof und ging gemütlich zu den Brennesseln.
Sie blieb kurz stehen und hockte sich dann vor den Pflanzen und mit einem überaus glücklichen Gesichtsausdruck beobachtete sie die einzelnen Pflanzen.
"Brennessel wirkt sehr gut bei Blasenentzündungen" sagte sie leicht oberschlau daher und erinnerte sich daran, wie ihre Großmutter oft einen Brennesseltee zubereitete für ihren Großvater, der nur allzuoft unter Problemen der Blase litt. "Jaja. Und Haare sollen damit auch wachsen, aber Großvater hat ja bewiesen, dass dies nicht bei jedem klappt" kicherte sie kindlich.
Sina stand wieder auf und ging zurück zu dem Baumstumpf und legte sich wieder ihre Tache um.
Geschwind ging sie zurück auf den Waldweg und ging ihn weiter. Ihre Gedanken kreisten magische Bahnen und es ging ihr sehr gut. Sie liebte es sehr in der Natur zu sein. Während des gehens griff sie an den Anhänger um ihren Hals.
Es war ein uralter Schörl. Ein mit Rissen und leichten Kerpen versehender Nachtschwarzer Halbedelstein, den sie vor Jahren von ihrem Vater bekam.
Ihr Vater sagte ihr immer, dass dieser Stein gegen böse Kräfte wirke und Schutz über sie bringe. Sie schaute sich den Stein wieder einmal genauer an.
Wirklich ansehlich war er nicht. Nicht so makelos und schön geschliffen, wie sie diese reichen Adligen in den großen Städten haben in den vielen mystischen Farben, aber im Grunde war auch das ihr egal.
Es war ein Geschenk und Andenken an ihren Vater und tatsächlich beschützte sie der Stein. Ein seltsames Geräusch riss sie aus ihren Gedanken.
Sina blieb erschrocken stehen und blickte fragend in alle Richtungen, aber keiner ihrer Blicke traf auf etwas, was erklären könnte, was dieses seltsame Geräusch war.
Dann jedoch bemerkte sie den Grund für das Geräusch. Völlig Gedanken versunken war sie auf einen Erdbuddelkobold getreten, der aus der Erde rausschaute und unfreiwillig mitten auf dem Waldweg vom Erdreich hochbeschritt. Sina hielt sich unverzüglich die Hand vor die Brust, Ihr Herz klopfte und Tränen gewannen in ihren Augen die Oberhand.
Sie war doch tatsächlich auf dieses arme kleine Geschöpf getreten, was nun bewusstlos in dem kleinen Loch lag. Sina schämte sich gewaltig. Sie konnte ihre Tränen nicht mehr zurückhalten. Das wollte sie wirklich nicht. "Es tut mir so Leid, kleiner Freund" wimmerte sie dramatisch und fiel bedrückt und verletzt auf die Knie. Ihre zarten Finger begannen zu zittern und ihre Sicht verschwamm vollends durch die Tränen.
"Das wollte ich wirklich nicht. Was soll ich denn nur jetzt machen?" jammerte sie weinend vor dem kleinen Kobold kniehend.
"Es lebt noch mein Schatz, alles Gut!" sagte eine Stimme. Sina erschrack sofort und schaute sich wild um. Wieder einmal entdeckte sie nichts. Auch am Boden und in den Bäumen war dieses mal nichts zu sehen.
Sina legte ihre Aufmerksamkeit wieder zurück auf den ohnmächtigen Kobold. Sie legte ihren Kof sanft auf den kleinen Koboldkörper um mit ihrem Ohr Lebenszeichen zu hören. Ein Herzschlag! Sina zuckte schnell hoch. "Ja er lebt noch" sagte sie beruhigt und nahm den kleinen Koboldkörper mit ihren beiden Händen auf.
Nicht unweit machte sie halt an einer großen Eiche. Sie setzte sich im Schneidersitz beim Baum hin, legte ihre Tasche neben sich und hielt den Kobold in beiden Händen. Sie erinnerte sich daran, was ihre Mutter immer über die visuelle Heilmagie sagte. Sina schloss die Augen und stellte sich vor, wie ihre goldene Energie in magischen kleinen Glitzersternen von ihrem Körper zu dem Kobold ging und diesen leuchtend umhüllte.
Stunden vergingen und wie durch ein Wunder wachte der Kobold in ihren Händen auf und hat nicht mal mehr eine einzige Schramme. Der Kobold stand auf und blockte Sina bewundernswert an. Sina erwiderte den Block mit freudvollen Tränen die ihre Wangen runterliefen, wie heilende Wasserfälle in den mystischen Gebirgen.
Dem kleinen Wesen ging es gut. Besser noch. Sina heilte ihn mit ihrer eigenen Kraft.
Der kleine Kobold lächelte sie an. Sie wusste sofort, dass er ihr nicht Böse war. Im Gegenteil. Sein Gesicht erstrahlte vor Glück sie zu sehen. Sina hatte wahrlich auf eine sehr eigensinnige Art einen neuen Freund gefunden......

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